Aus Erinnerung wächst Gemeinschaft

Drogentoten-Gedenktag im Kontaktladen JumpIn verbindet Gedenken, Austausch und Zuversicht

Bremerhaven. Bunte Schmetterlinge, bemalte Erinnerungssteine und viele persönliche Gespräche prägten den Drogentoten-Gedenktag im Suchthilfezentrum Roter Sand der AWO Bremerhaven. 109 Menschen kamen zusammen, um an diejenigen zu erinnern, die an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben sind. Gleichzeitig wurde deutlich: Der Tag richtet den Blick nicht nur zurück – er macht Mut und zeigt, dass Gemeinschaft Leben verändern kann.

Wo sonst Beratung und Unterstützung im Mittelpunkt stehen, entstand an diesem Tag ein Ort des gemeinsamen Erinnerns. Beim Essen, in Gesprächen und beim kreativen Gestalten von Steinen und Schmetterlingen kamen Menschen miteinander ins Gespräch, teilten Erinnerungen und schenkten sich gegenseitig Zeit. Die gestalteten Symbole standen für die Menschen, die fehlen, aber auch für diejenigen, die ihren Weg aus der Sucht noch vor sich haben. Ein besonderes Highlight war das gemeinsame Buffet, das durch die Unterstützung von Fry High – First Class Fritten und EDEKA Knauer ermöglicht wurde.

„Der Drogentoten-Gedenktag ist für viele Menschen, die zu uns kommen, ein sehr persönlicher und emotionaler Tag. Viele haben Freundinnen, Freunde oder Angehörige verloren.“, sagt David Hohn, Koordinator des Kontaktladens JumpIn im Suchthilfezentrum Roter Sand in der Rickmersstraße 133.

Viele Leute sehen nur die Sucht und vergessen den Menschen dahinter. Aber jeder, der heute fehlt, hatte eine Geschichte, Freunde und Familie, die ihn vermissen. Hier im JumpIn wird man nicht nur auf seine Probleme reduziert – hier fragt jemand, wie es einem geht.

Eine Person, die regelmäßig das Angebot des JumpIn nutzt

Das Angebot reicht von der täglichen Grundversorgung mit Essen und Getränken über Möglichkeiten zur Körperpflege und einen kostenlosen Spritzentausch bis hin zu Beratung, Vermittlung in weiterführende Hilfen und Unterstützung in Krisensituationen. Dabei geht es nicht nur um konkrete Hilfen im Alltag, sondern vor allem darum, Vertrauen aufzubauen und Menschen langfristig zu begleiten. „Die hohe Besucherzahl zeigt, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind. Menschen brauchen Orte, an denen sie Unterstützung finden – unabhängig davon, wie schwierig ihre Lebenssituation gerade ist. Diese Angebote dauerhaft zu sichern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, erklärt Hohn.

Auch für die Mitarbeitenden des JumpIn ist der Gedenktag ein besonderer Moment. „Gerade solche Momente zeigen, wie wichtig Orte sind, an dem Menschen willkommen sind und sich angenommen fühlen. Viele unserer Gäste erleben im Alltag Ausgrenzung. Hier können sie einfach sein, miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft erleben“, sagt Annemarie Zweigle-Mattfeld, die den Gedenktag federführend organisiert hat.

Viele von uns kämpfen nicht nur mit der Sucht, sondern auch mit Einsamkeit, finanziellen Problemen oder schwierigen Lebensgeschichten. Der Gedenktag zeigt, dass wir trotzdem Menschen mit Geschichten sind – und dass wir nicht vergessen werden.

Eine weitere Besucherin des Kontaktladens

Die Arbeit im Suchthilfezentrum der AWO ist dabei mehr als Krisenintervention. Sie schafft Zugänge, baut Vertrauen auf und erreicht Menschen, die andere Hilfesysteme häufig nur schwer erreichen. 

Prävention, Beratung und Begleitung können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und Menschen frühzeitig zu erreichen. Der Drogentoten-Gedenktag erinnert daran, dass hinter jeder Suchterkrankung ein Mensch mit einer eigenen Geschichte steht. Die AWO Bremerhaven setzt damit ein Zeichen gegen Vorurteile und für mehr Zusammenhalt. Das Team des JumpIn ist täglich für Menschen da, hört zu, begleitet und schafft einen Ort, an dem niemand mit seinen Herausforderungen allein bleiben muss.

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